Birgits Werdegang für Kinder

Schon seit ich in eurem Alter war, habe ich Musik gemacht. Musikalische Früherziehung mit vier Jahren, dann Klavierunterricht mit sechs, übrigens bei einer ganz tollen Lehrerin, die mich viel nach dem Gehör spielen ließ. Später kamen dann Blockflötenunterricht und verschiedene Blockflötenensembles dazu, auch im Cornamusenquartett habe ich gespielt und sogar Fagottspielen hab ich mal zwei Jahre lang ausprobiert.

Als ich zehn Jahre alt war, zogen wir um, und ich ging ich mit meiner Schwester in den Kinderchor der Musikschule Fallersleben.

Mit diesem Chor haben wir viele Auftritte gehabt und einmal im Jahr fuhren wir eine Woche in den winzigen Ort Franken bei Weißenstadt. Das war immer eine tolle Zeit, und mit den Freunden, die ich in dieser Zeit kennen gelernt habe, verbindet mich auch heute noch viel!

Meine Schwester sang in der ersten Stimme, ich in der dritten, und von da an verging keine Autofahrt, bei der wir nicht mit meiner Mutter zwei- oder dreistimmig sangen (wenn ihr Annette und mich mal zusammen trefft, fragt mal, ob wir euch „Mädel, lass zum Tanz dich führen“ vorsingen).

Später, als mein Bruder in den Konfirmandenunterricht kam, sangen wir auf jeder Autofahrt „Ein feste Burg ist unser Gott“. Das musste er nämlich auswendig lernen, was sehr praktisch war, denn, als ich es dann können musste, musste ich gar nichts mehr lernen.

Mit 16 ging ich dann in die Kantorei der Heilig-Geist-Gemeinde in Wolfsburg und sang das erste Mal große klassische Kirchenmusik. Wart ihr schon mal bei uns in der Osternacht und habt den gesungenen Psalm „Du hast meine Klage verwandelt in einen Reigen“ gehört? Das habe ich da gelernt und durfte die Strophen Solo singen.

Schon, als ich noch zur Schule ging, war ich auf meinen ersten Freizeiten, auf denen man nicht nur Chorsingen lernen konnte, sondern auch, wie man einen Chor leitet.

Wie man einen Einsatz gibt, wie man dirigiert, wie man hört, wer richtig und wer falsch singt und all solche Sachen habe ich dort angefangen zu lernen. Sehr spannend, aber auch aufregend, wenn einen der ganze Chor anguckt und man die Töne noch nicht sicher von der Stimmgabel abnehmen konnte. Aber das waren immer tolle Wochen und alle haben sich Mühe gegeben, auch richtig zu singen, wenn man noch falsch dirigiert hat.

So kam es dann auch, dass ich, als unser Schulchorleiter die Schule verließ, die Leitung des Schulchores übernahm und auf meiner eigenen Abitur-Entlassung als Dirigentin vorm Oberstufenchor stand.

Nach dem Abitur habe ich dann mit dem Klavierstudium in Hannover begonnen. Immer nur am Instrument alleine zu üben, hat mir allerdings nicht so gut gefallen, so dass ich den Studiengang von Klavier zu „Chor- und Ensembleleitung“ gewechselt habe. Aber das war irgendwie auch noch nicht das Richtige, und so ging ich nach Herford an die Hochschule und fing an, Kirchenmusik zu studieren.

Ein tolles Studium! Auch dabei hat man ganz viel Einzelunterricht am Instrument (z.B. Orgel, Klavier und Posaune), aber daneben macht man auch viel Musik in Gruppen, wie z.B. in Bläserkreisen oder Chören und lernt ganz viel über Chorleitung. Dazu gehört auch Gesangsunterricht und chorische Stimmbildung.

Nebenbei hatte ich eine Stelle an der Auferstehungskirchengemeinde Braunschweig-Gartenstadt; das ist da, wo wir zum Austausch mit den Flötenkindern waren.

Ich spielte dort alle 14 Tage die Orgel und leitete den Kirchenchor. Mein erster eigener Kinderchor, den ich dort gründete, bestand aus Kindern und Jugendlichen im Alter von 5 bis 18 Jahren, am Anfang tatsächlich noch in einer einzigen Gruppe! Das war 1991, da war ich 20 Jahre alt.

Seitdem habe ich immer mit Kinderchören gearbeitet und auf Fortbildungen von vielen verschiedenen tollen Kinderchorleitern, Stimmbildnern und Gesangslehrern ganz viel über Kinderstimmen und Kinderchorleitung gelernt.

Ich wollte darüber immer noch mehr wissen, weil mir das Singen mit euch so viel Spaß macht. Ich finde es toll, wie ihr euch für Lieder und Geschichten begeistern lasst und mit wie viel Freude und Fleiß ihr für Aufführungen büffelt. Es ist spannend zu sehen, wie sich eure Stimmen mit euch entwickeln und schön, euch ein Stück auf eurem Weg zu begleiten.

Ich wünsche euch, dass es euch geht wie mir und die Freunde, die ihr über die Musik findet, euch lange begleiten. Und vor allem wünsche ich euch immer Lieder in den Ohren und im Herzen, die euch fröhlich und stark machen und euch trösten, wenn ihr traurig seid.

                                                                                Eure Birgit